#09 IM PSYCHOTOP - Krankschreibung wegen Psyche: Fluch oder Segen

Shownotes

Sie kann für Patient:innen der entscheidende Schritt zur Heilung sein, birgt aber bei falscher Anwendung auch erhebliche Risiken: Krankschreibung wegen psychischer Belastungen. Warum körperliche Symptome oft ein klarer Wegweiser sind und wie die richtige Balance zwischen Entlastung und drohender Regression gefunden werden kann, erklärt Dr. med. Regine Johannsen im Gespräch mit Gitta Jacob.

Praktische Tipps für den therapeutischen Alltag, um Krankschreibungen strategisch und zielführend einzusetzen, findet ihr im neuen Beitrag auf unserem Blog psychotherapie.tools: https://psychotherapie.tools/expertise/blog/.

Habt ihr Fragen oder Themenvorschläge, die wir im Psychotop näher beleuchten sollten? Dann schreibt uns gern eine E-Mail an psychotop@beltz.de

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00:00:00: Im Psycho-Tob, Klartext über Psychotherapie.

00:00:04: Ist mehr Therapie wirklich immer besser oder führt der aktuelle Psychohalb nicht manchmal auch in die Irre?

00:00:09: Im Weltsportcast im Psycho Top spricht die bekannte Psychotherapeutin Gitta Jakob mit ihren Gästen über Chancen und die Grenzen von Psychotherapien ohne therapeutisches Gesäuse – dafür mit Erfahrung Fakten!

00:00:23: Und gesunde Menschenverstand.

00:00:24: Hallo, liebe Regine Johannsen!

00:00:26: Ich freue mich sehr, dass du heute bei mir im Podcast zu Gast bist und wir uns unterhalten über das Thema Krankschreiben wegen psychischer Erkrankung, Segen oder Fluch.

00:00:43: Seit vielen Jahren, wir haben früher mal zusammen in Projekten gearbeitet wo wir mit vielen Patienten zu tun hatten die wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben waren.

00:00:51: Deswegen habe ich auch als Gesprächspartner gedacht weil wir damals schon viel darüber diskutiert haben.

00:00:57: Du bist Fachärztin für Psychotherapie und bis mittlerweile angestellt im MVZ in Rennsburg

00:01:03: Genau!

00:01:03: Und da hab' ich sehr viel mit Patienten zu tun Die Kanschreibung benötigen und manchmal auch länger.

00:01:11: Ja, genau!

00:01:12: Und deswegen fand ich dich so eine interessante Gesprächspartnerin für dieses Thema über das wir ja schon vor vielen Jahren diskutiert haben.

00:01:19: Genau.

00:01:20: Wir fangen ja in den Podcast immer an mit Fallbeispielen, Regine... ...und ich habe dich auch darum gebeten mir mal zwei Fallbeispiele mitzubringen.

00:01:25: Eins wo du sagen würdest da war Krankschreibung wirklich wichtig und ein anderes wo du sagst es ist vielleicht auch schwierig in dem Fall.

00:01:33: Ja!

00:01:35: Ich fange jetzt einmal mit dem Beispiel an Wo ich denke, das ist eine sehr geglückte Sache gewesen und die Kramschreibung war sinnvoll.

00:01:43: Und hat auch tatsächlich dazu beigetragen dass die Patientin mittlerweile gesund ist.

00:01:49: Und zwar kam zu mir Das war im Dezember zwanzig kam eine Frau zu mir Im Alter von drehen vierzig Die angabt dass sie einfach zusammengebrochen sei und mittlerweile auch schon seit sechs Wochen durch die Hausärztin krank geschrieben.

00:02:09: Vorher habe sie für viele Jahre sehr viel gearbeitet, auch sehr viel in Nachtdiensten.

00:02:18: Sie ist eine Krankenschwester-Inleitungsfunktion und hat sehr, sehr viele Nachdienste machen müssen Teilweise auch deshalb, weil sie dann immer wenn andere in den Krankenstand gegangen sind.

00:02:32: Dann hat sie das wieder ausgeglichen.

00:02:35: Es

00:02:37: war immer einfacher selbst einzuspringen als dann anderen sozusagen die Weisung zu geben.

00:02:43: Das ist extrem schwer und Sie war ja nun auch verantwortlich dafür dass das Ganze klappt.

00:02:51: Und die Patienten, die dort betreut wurden waren auch ein eher schwieriges Klientel.

00:02:57: Denn sie hat auf einer Psychiatrie gearbeitet, auf einer Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie mit wirklich sehr schwierigen Krankheitsfällen auch.

00:03:09: Auch da immer eine sehr hohe Verantwortung gehabt.

00:03:14: Das Ganze hatte über viele Jahre ... Einigermaßen geklappt und dann ging es los zunächst damit, dass sie nicht mehr schlafen konnte.

00:03:23: Dass sie nachts aufwachte oder auch tastüber wenn sie vorher nach dienst hatte.

00:03:29: Und Wenn immer gekrübelt hat wie schaff ich denn überhaupt den nächsten tag?

00:03:34: Irgendwann war sie soweit das hier höchstens noch mal eine stunde am stück durchschlafen Konnte.

00:03:40: Dann wachte sie wieder

00:03:41: auf.

00:03:43: Dann merkte sie dass die sich dass sie vom Körper sich immer schwerer fühlte.

00:03:49: Das Gefühl hatte, Sie musste sich richtig zwingen, morgens aufzustehen.

00:03:56: Wenn sie Auto fuhr, hatte sie das Gefühl, sie sei betrunken und sie könnte kaum noch sich verhalten wenn zu Hause das Telefon klingelte was den gleichen Rufton hatte wie bei der Arbeit.

00:04:11: dann hat sie sofort Magenschmerzen bekommen.

00:04:15: Sie berichtete, dass sie seit mehreren Jahren, mindestens fünf Jahren bereits nur für die Urlaube gelebt hat.

00:04:22: Da konnte sich dann immer erholen und mittlerweile war das eben soweit, daß sie sich auch in den Urlaub nicht mehr erholt.

00:04:30: Also die war richtig, richtig kaputt und fertig?

00:04:33: Die war völlig erschöpft!

00:04:35: Die hat vor mir gesessen... ...in einer Verfassung, in der sie kaum noch irgendwie eine Hand heben konnte.

00:04:43: So würde ich das beschreiben und es ist viel ja auch ganz schwer, das Ganze zu berichten.

00:04:47: Ich musste ihr das auch regelrecht aus der Nase ziehen.

00:04:52: Sie hat dann auch erzählt dass sie bei der Arbeit am Schluss nur noch Starr dargesessen habe und vor einem Rechner und nichts mehr gemacht hat also wo sie eigentlich dieses Pläne machen musste.

00:05:05: Insofern war mir vollkommen klar, diese Frau braucht wirklich jetzt eine längere Entlastung.

00:05:10: Bei der sind die Stresshormone im Körper wahrscheinlich dermaßen angestiegen und das Serotonin fehlt.

00:05:18: Sie hat ja auch außer dem Urlaub neben der Arbeit gar nichts mehr gemacht, außer zu schlafen.

00:05:26: Und dann habe ich gesagt Ich schreib sie jetzt so lange bekannt wie das sein muss und außerdem fangen wir jetzt an mit einem Medikament Und wir sehen zu, dass sie auch Psychotherapie bekommen.

00:05:40: Das hat dann auch geklappt.

00:05:41: bei uns im Hause haben wir zum Glück auch Psychotherapeutinnen und das ging relativ schnell, dass die da auch andocken konnte.

00:05:49: Außerdem hatte ich ihr dann auch noch Ergotherapie verschrieben und diese Ergoterapie hat am Anfang hauptsächlich so Sachen gemacht wie Entspannungsübungen damit sie einfach zur Ruhe kommt.

00:06:03: Also die haben noch gar nicht irgendwie groß darüber geredet, was sie für Pläne machen.

00:06:07: Es ging alles überhaupt nicht und es hat tatsächlich auch mehrere Monate gedauert eh diese Frau in der Lage gewesen ist einigermaßen wieder Freude zu empfinden wie der Antrieb hatte für irgendwelche Unternehmungen.

00:06:26: also wie gesagt er hat sich bei mir vorgestellt im Dezember twenty-two und das war dann irgendwann so im Mai, dass sie wie aus so einer Trance erwacht ist.

00:06:39: Also

00:06:39: ein halbes Jahr um überhaupt zu in Prinzip wieder einem vernünftigen Basiszustand zu kommen?

00:06:45: Ja und die hat das auch absolut gebraucht, dass Sie krank geschrieben war denn da ging wirklich nichts mehr.

00:06:54: also Sie war nicht mal mehr im Stand einkaufen zu gehen, das hat dann in der Zeit alles ihr Mann gemacht.

00:06:59: Also sie lebt mit ihrem Ehemann zusammen, Kinder haben sie nicht aber einen Hund und sie konnte am Anfang auch nicht einmal mehr mit dem Hund rausgehen.

00:07:07: Das hat sie dann so nach zwei Monaten wieder hingekriegt.

00:07:11: also es ging dann sogar schrittweise Und irgendwann merkte sie so da regt sich wieder was da bekomme ich irgendwie wieder Grund.

00:07:21: Ich habe sie dann mal Freude an einer Sache und dann hat sie auch relativ schnell dann sehen können, ich kann dort wo ich jetzt bin nicht mehr arbeiten dass ich würde wenn ich da wieder zurück gehe an diese Arbeitsstelle obwohl eigentlich meine Arbeit liebe dort in der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie Da werde ich immer wieder in genau diesen Zustand verfallen und ich suche mir jetzt was anderes, wo ich keine Schichten habe.

00:07:51: Und möglich ist auch erst mal keine Leitungsfunktion.

00:07:55: Sie hat dann tatsächlich eine Stelle gefunden und zwar arbeitet sie jetzt also in einer beratenen Funktion in einer Firma die Software macht.

00:08:08: Software für Stationen für Dienste und so weiter.

00:08:15: Und das hat ihr dann total Spaß gemacht, es machte ihr auch gar nichts aus.

00:08:19: Sie hatte so viel, so lange mit Patienten zu tun gehabt, dass sie es dann auch gar nicht mehr schlimm fand, dass die jetzt in eine ganz andere Richtung geht.

00:08:28: Das hat super geklappt!

00:08:33: Ich glaube im Oktober konnte sie dann da anfangen aber sie ist wirklich insgesamt fast ein Jahr krankgeschrieben gewesen und das habt sie auch gebraucht Und seitdem arbeitet sie da.

00:08:43: Sie nimmt auch immer noch ihre Medikamente, also die geht nach wie vor zu mir.

00:08:48: Wir haben die aber schon reduziert.

00:08:50: wir sind so im Ausschleichen und bei ihr war wirklich die Kranschreibung absolut sinnvoll und heilsam und anders wäre es auch tatsächlich überhaupt nicht gegangen.

00:09:01: Also das war ein Beispiel wo's richtig gut geklappt hat und sinnvoll war.

00:09:08: Ja, super.

00:09:08: Vielen Dank.

00:09:09: und jetzt das andere Beispiel?

00:09:12: Das andere Beispiel ist eine relativ junge Patientin.

00:09:16: die habe ich kennengelernt da war sie dreiundzwanzig Jahre alt erschien mit ihrem Vater in Begleitung der gleichzeitig ihr Betreuer auch ist.

00:09:27: also gesetzlich gesehen diese Patientin hat ein Autismus einen Aspergerautismus eine ADHS Und hat war zu dem Zeitpunkt, als ich sie kennengelernt habe noch in ihrer Ausbildung als Gärtnerin.

00:09:43: Mochte das auch eigentlich ganz gerne machen.

00:09:47: und

00:09:49: für Autismus und kann man nicht so gut mit Menschen zurecht und so weiter.

00:09:53: eine ganz gute Berufswahl muss man sagen.

00:09:56: Sie hat gesagt, für sie kommen in Frage Berufe die kreativ sind.

00:10:02: Wo sie was mit den Händen macht aber wo sie nicht zu viel mit Leuten zu tun haben muss.

00:10:07: und da war auch anfänglich irgendwie überhaupt kein Problem.

00:10:11: Was das Ganze angeht?

00:10:11: Da wollte sich keine Krankschreime und gar nichts.

00:10:13: Sie hat dann auch tatsächlich ihre gesellenen Prüfung noch gut hingekriegt.

00:10:18: Das war gar kein Problem!

00:10:20: Sie war bei mir eigentlich nur deshalb angebunden weil sie bei der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie nicht mehr angebunden sein konnte wegen des Alters.

00:10:29: Und das ging einfach darum, dass sie weiter ihre ADHS Medikamente.

00:10:34: Dann war es aber leider so, dass Sie dann eine neue Stelle bekommen hat in einer anderen Firma, in einer Gärtnerei.

00:10:43: Und dort gab es dann zwischenmenschliche Probleme.

00:10:47: also es kam zu einer sexuellen Übergriffigkeit von einem der Kollegen, der hat ihr irgendwie den Po getetschelt oder irgend so was und dann eine wirklich miese Bemerkung gemacht.

00:11:00: Also irgendwie sowas wie ja, na will ich gar nicht sagen, also was das da war aber wirklich nicht schön.

00:11:06: Und dann war sie bei der Chefin und hat sich da beschwert und die hat das überhaupt nicht ernst genommen, war dann zu ihr auch irgendwie entwerten als wenn sie das jetzt irgendwie provoziert hätte Und daraufhin hatte sie wirklich so was man immer so ein Maitdown nennt.

00:11:24: Also das war alles zu viel, die konnte gar nichts mehr, war zu Hause und noch geweint und wollte dann krankgeschrieben werden.

00:11:33: Ich hätte dann eigentlich mit ihr abgemacht.

00:11:35: ich schreibe sie krank bis sie woanders einen anderen Job findet.

00:11:41: denn also ich bin mit ihr tatsächlich d'accord gewesen dass Sie da tatsächlich nicht wieder zurück kann.

00:11:48: Wenn so was passiert?

00:11:49: Ja, wenn du so blöde Kollegen hast

00:11:51: und

00:11:51: ... Nee, das hat dann ja auch keine ... Wahrscheinlich keine Zukunft.

00:11:56: So eine Collegialität und einen Umgang.

00:11:58: Und ich meine sie findet ja wahrscheinlich als Handwerkerin auch woanders.

00:12:02: Genau!

00:12:02: Das war auch so meine Idee gewesen.

00:12:04: Ich entlaste Sie jetzt erst mal.

00:12:05: Sie müssen da nicht mehr hin.

00:12:07: Sie gucken in Ruhe, dass sie woanders hinkommen.

00:12:09: Normalerweise sind ja auch Gerdner und Gerdlerinnen sehr gefragt überhaupt ein Handwerk.

00:12:15: Ich habe da gar kein Problem gesehen.

00:12:17: Und dann war es aber leider so, dass ihr Vater der gleichzeitig auch der Betreuer ist.

00:12:23: Der hat eine Krebserkrankung entwickelt was sie dann auch unheimlich belastet hat und sie ist dann immer mehr in so eine Haltung reingekommen.

00:12:32: ich kann gar nichts mehr.

00:12:33: alles ist nur noch schrecklich.

00:12:35: Sie hatte auch keine Tagesstruktur mehr also wenn sie mittags aufgestanden hat war das früh.

00:12:42: Sie hatte von mir dann Ergotherapie verschrieben bekommen, damit sie Struktur kriegt.

00:12:51: Und in diese Ergotherapie haben Sie dann so versucht irgendwie, dass sie besser aufräumt, dass die morgens früh aufsteht und das sie schon mal sauber macht.

00:12:59: Das hat sich aber alles irgendwie... Sie hatten immer nur gesagt ich kriege das nicht hin?

00:13:02: Ich kriege es nicht

00:13:03: hin!

00:13:06: Die

00:13:08: ist total rekreditiert.

00:13:09: also von einer Person Die vorher ja wirklich noch in einem Vollzeitjob getecht war und eine gesellene Prüfung geschafft hat, ist ermitrediert.

00:13:23: Man muss dazu sagen dass ihre Mutter das ihre Mutter auch kurz nach dieser Krankschreibung verstorben ist, auch an Krebs.

00:13:33: Also sie hatte schon schlimme Schicksale.

00:13:35: Da waren Belastungen und sie hat sich sicherlich nicht schwerer getan als andere.

00:13:38: mit der ganzen Situation trotzdem... Trotzdem

00:13:40: war die Krankschreiben für Sie nicht gut!

00:13:42: Ja genau

00:13:44: Es war einfach dieses Wegfallen von Struktur Hat ihr auf die Dauer nicht gutgetan?

00:13:49: Dann hatte ich gesagt versuchen sie in einer Tagesthine zu kommen damit sie wieder in einen Rhythmus kommen.

00:13:57: dann waren irgendwie muss man dazusagen, dass hier in Rendsburg dann die Tagesklinik plötzlich Wartezeiten von anderthalb Jahren hatte.

00:14:05: Das war natürlich sehr ungünstig.

00:14:07: aber sobald ich mit ihr gesprochen habe ob sie nicht vielleicht zumindest wieder nach Arbeit suchen könnte, vielleicht mal Probearbeiten machen einfach mal versuchen, dann hat sich gesagt nein wenn ich nur daran denke da möchte ich mich am liebsten umbringen.

00:14:22: Ich kann

00:14:23: das nicht.

00:14:24: also hab dann auch immer diese Suizidkarte gezogen Und das Problem war dann, dass die Ergotherapeutin sie auch noch darin sozusagen bestärkt hat.

00:14:35: Die hat ihr gesagt ja vielleicht sollten wir Sie früh brennen?

00:14:39: Ja!

00:14:39: Mit dreiundzwanzig.

00:14:44: Da war sie dann mittlerweile vierundzwundzig aber trotzdem.

00:14:47: Frühberendung für zwei Jahre damit sie mal richtig Zeit hat sich um sich selbst zu kümmern.

00:14:52: Wo ich ihr aber sofort gesagt habt, das werde ich ganz bestimmt nicht unterstützen.

00:14:57: Also wenn die mich anstreiben von der Rentenversicherung, werde ich eindeutig schreiben Nein auf keinen Fall in dem Alter um Gottes Willen.

00:15:06: Ja

00:15:07: also Ich habe dann auch mit der Ergotherapeutin ... tatsächlich da noch mal ein Wort geredet.

00:15:13: Aber das war natürlich, dieses Kind war ja ... ... gewissermaßen auch schon ein bisschen im Grunde gefallen.

00:15:17: Ich meine die hat hier den Flohns Ohr gesetzt und die Patientin hatte so wie es klingt... ... mit großer Begeisterung versucht diese Chance zu ergreifen?

00:15:25: Wie kindest du dann weiter mit der...?

00:15:27: Ja jetzt hat sie eine neue Idee!

00:15:28: Sie will erneut eine Ausbildung machen also sie will gar nicht mehr in den Gärtnern berufen.

00:15:34: Und zwar wird sie jetzt eine Ausbildung zur Bankkaufrau machen was ich persönlich keine besonders geglückte Wahlfände, weil A. Wenn man ADHS hat sind Sachen wie langweilig und populare ausbüllen.

00:15:48: Und so weiter

00:15:49: gar nicht gerade eine Stärke.

00:15:51: Und das zweite Sie muss dann ja dauernd Kundenkontakt haben.

00:15:56: Der Grund warum sie das jetzt machen will ist dass sie irgendwie einen Bekannten hat der in der Branche arbeitet und der hier diesen Ausbildungsplatz verschafft hat.

00:16:05: also ich glaube es ist ein bekannter von Ihr Vater?

00:16:08: Wahrscheinlich,

00:16:09: so klingt das ja.

00:16:10: Okay aber summa-summa rum klingt es ja so als ist die wirklich falsch abgebogen in der Krankschreibung.

00:16:18: mal blöd gesagt erst ist sie sozusagen komplett regrediert noch unterstützt durch eine wahrscheinlich nicht wirklich durchdachte Aussage von der Ergotherapeutin an.

00:16:27: für sich besser gewesen hätte vielleicht vorher mit ihr gesprochen bevor sie sowas sagt.

00:16:30: aber wer weiß auch wie die Patientin da was verarbeitet hat was ihr wie ein Strohhalmaschinen Und dann im Prinzip aus Vermeidung die aktuelle Situation, die eigentlich gar nicht so schlecht gewesen wäre mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem Büro vor sie außerher ein wenig mehr zu tun hat.

00:16:47: Schwingt sich jetzt auf irgendwas anderes im Prinzip ein Stück weit falsch abgebogen und man kann nur sagen Shit dass man überhaupt so lange die Krankschreibungen

00:16:56: gemacht hat.

00:16:58: Was ich stelle mir jetzt vor, dass du da auch wahrscheinlich erheblichen Druck durch den Vater hattest.

00:17:03: Der Betreuer war im Mitleid wegen der Krebserkrankung und so weiter.

00:17:06: Es gibt sicherlich viele

00:17:07: Punkte wo

00:17:07: man sich vorstellen kann das dann immer wieder weich geklopft wurde.

00:17:11: aber trotzdem danke für das Beispiel ist es auch sehr spannend.

00:17:15: Ja ich sehe eben das jetzt im Nachhinein ganz klar.

00:17:19: das was bei ihr schlimm ist, dass sie eben so jung ist und wenn jemand so jung wirklich eine längere Krankschreibung so gut es geht vermieden werden, weil gerade in dem Alter da ist das ja auch noch gar nicht mit Tagesstruktur und allem.

00:17:34: Das ist ja noch nicht so gefestigt wie bei einem Menschen der jetzt sowie diese andere Patientin schon Mitte vierzig ist bis dahin ihr ganzes Leben gearbeitet hat.

00:17:44: Und da wäre ich nach diesen Nach dieser Erfahrung mit dieser Patientin wär ich da weitgehend sehr kritisch wenn jemand eben so jung ist.

00:17:55: Ja, genau so war es wie völliger Verlust der Tagesstruktur und auch das Selbstwertes letztendlich.

00:18:05: Klar, weil die ja sozusagen gar keine Leistungsfähigkeit mehr hat, keine Wertschöpfung erbringt, die wenigen Kontakte, die sie hat wahrscheinlich auch... Also Sie kann sich dann nur noch über das Patientinnen da sein im schlimmsten Fall irgendwann identifizieren.

00:18:22: Das ist natürlich besonders toxisch.

00:18:24: Mal davon abgesehen, dass ich das ein sehr wichtigen Gedanke finde, den wir vielleicht auch noch später vertiefen, dass man auch unbedingt aufs Alter gucken sollte und darauf, ob es nicht vielleicht ansteht, die Identität zu entwickeln.

00:18:35: Ich kann was, ich stehe im Leben und bewältige auch Schwierigkeiten aber gibt

00:18:39: genau...

00:18:40: Gibt's grundsätzlich Unterscheidungskriterien wo du sagen würdest wenn es jetzt eine thirty-fünfjährige wäre oder so?

00:18:46: Ja bei der Bei der ist eine Krankschreibung indiziert, wer es nicht indiziert.

00:18:51: Also was spricht für dich dafür?

00:18:54: Dass das so ein Fall ist wie die Erste wo du sagen würdest sofort krank schreiben und auch länger ist völlig okay.

00:18:58: Gibt's

00:18:59: da irgendwelche

00:19:00: Kriterien?

00:19:01: Ja also für mich ist ein wichtiges Kriterium sind körperliche Symptome dar, die darauf hindeuten dass tatsächlich eine starke vegetative Erschöpfung zum Beispiel eben bei einer Erschöffungsdepression diese Patientin dieses erste Beispiel Die Krankenschwester hatte eine extreme Schlafstörung, die hatte Magenschmerzen.

00:19:25: Die konnte kaum noch sich bewegen der Antrieb war nicht nur gemindert sondern also ich würde sagen regelrecht gehemmt und das sind ja Zeichen dafür dass tatsächlich was mit den Botenstoffen auch überhaupt nicht mehr stimmt.

00:19:40: Und wenn jemand so ist dann kann diese Person einfach nicht mehr arbeiten.

00:19:47: Und eigentlich darf sie es dann auch nicht mehr,

00:19:50: weil

00:19:51: unter anderem würde man ja vielleicht wenn man eine verantwortungsvolle Position hat die auch gar nicht mehr wirklich ausfüllen können und da können ja auch Dinge passieren denen ich gut sind.

00:20:00: Ja

00:20:01: also im Prinzip dieses wie so ein vegetatives syndromekörperliche Symptome,

00:20:06: wo ist

00:20:06: er auch gesagt?

00:20:06: Sie hat überhaupt nicht mehr geschlafen.

00:20:08: Sie lag aber nur noch im Bett.

00:20:10: Sie konnte nichts mehr machen.

00:20:12: Hat nur vor sich hingestarrt.

00:20:14: Das wäre ein Zeichen, wo du sagen würdest okay.

00:20:16: Das ist absolut eine A O her.

00:20:18: Okay, verstehe.

00:20:20: Genauso es gibt ja auch Menschen, wo die Ausprägung eher davon gekennzeichnet ist dass man zum Beispiel mehrfach am Tag schwerste Panikattacken hat und das wäre auch so einen Moment.

00:20:34: dann kann jemand auch nicht mehr arbeiten.

00:20:37: Das kann ja auch so eine Ausprägung sein.

00:20:39: Das ist ja auch ein Ausdruck von extrem hohen Stresshormonen und dann brauchen Menschen eine Auszeit, das ist dann deutlich.

00:20:51: Ja verstehe.

00:20:52: Bei dem zweiten Fall war das nicht der Fall sondern das war ja eine rein symptomative Geschichte.

00:20:57: Da war ja situativ so dass ich gedacht habe die kann eigentlich noch arbeiten aber die kann da nicht mehr arbeiten wo sie jetzt ist.

00:21:08: Das geht auf keinen Fall und deshalb habe ich Sie krank geschrieben, aber die hatte ja keinerlei vegetative Symptome oder sonst was.

00:21:17: Die war auch nicht depressiv, die war unter starker Belastung eine Anspannung.

00:21:21: Klar, die wusste nicht weiter.

00:21:22: Die

00:21:22: aber sofort weg war in dem Moment, wo klar war, sie muss da nicht mehr hin.

00:21:26: Im Gegensatz zu der anderen Patientin, da dauerte das ein halbes Jahr irgendwie wieder Haltwegs normal.

00:21:32: Ja.

00:21:33: Und es hat einen riesen Unterschied?

00:21:35: Okay, also das wäre auch sozusagen typisch für diesen Fall wo es eigentlich nicht mindestens lange Krankschreibungen nicht sinnvoll ist.

00:21:44: Wenn die Situation situativ ist wenn es vor allem darum geht dass es einen Konflikt gibt ein Problem in psychosoziales Problem

00:21:52: genau

00:21:53: auf der Arbeit weil dann natürlich die Krankschreibung angefordert wird wenn die Situation ist was die Leute sagen ich will nicht mehr zur Arbeit gehen

00:22:00: Ja und das gibt ja auch immer wieder Fälle wo so was passiert.

00:22:07: Ich hatte jetzt zum Beispiel wieder einen ganz anderen Fall, wo eine Patientin aus auch wirklich überzeugenden Gründen nicht mehr an diesen Arbeitsplatz zurück kann dort offensichtlich sogar selber gekündigt hat und die lassen sie nicht aus dem Vertrag.

00:22:22: Die lassen Sie nicht raus!

00:22:24: Und das ist ein Moment gewesen, wo ich die Patientin auch krank geschrieben habe damit sie dann nicht mehr hin muss weil Das ist ja eine Zwickmühle, aus der es gar keinen anderen Ausweg gibt.

00:22:36: Die hat's aber schon einen neuen Arbeitsplatz, wo sie gerne hin möchte.

00:22:42: Aber die alte Arbeitgeber lässt sich einfach nicht raus und die hat so ne künftige Kündigungsfrist.

00:22:47: Und da habe ich gesagt, ich lasse Sie jetzt zu Hause, solange der Arbeitgebersi nicht hochlässt!

00:22:55: Und dann kann man irgendwelche Rechte... Hat sie sozusagen den Luft irgendwelchen rechtlichen Schritte zu unternehmen?

00:22:59: ... und die ganze Schose zu klären sozusagen.

00:23:04: Ja, also wenn das hat sie schon versucht... Und es ist leider so, sie hat irgendwie eine unglaublich lange Kündigungsfrist,... ...und es wäre halt so, die müssten einfach nur zustimmen,... ...machen Sie aber nicht!

00:23:18: Gut,

00:23:19: aber das würde ich jetzt mal einkropieren unter... ...absolutes Spezialsituationen in aller Regel.

00:23:26: In aller Regel ist es ja so, dass wir bei dem... bei der jungen Frau jetzt, die da ein zweites Fall war.

00:23:33: Da ist ja ehrlicherweise dann auch einen Betrieb selbst, wenn die vielleicht froh waren eine neue Mitarbeiterin zu finden aber die wird aus der Sicht der Chefin zum Beispiel auch irgendwie Ärger gemacht haben oder aus einer Kleinigkeiten Elefanten oder Der Kollege ist halt so.

00:23:46: Aber das darf man nicht so ernst nehmen.

00:23:47: und wenn es da natürlich Konflikte gibt Dann sind sie ja letztendlich auch nicht böse wenn die Zusammenarbeit halt nicht weitergeht.

00:23:53: Also so eine extreme Situation ist, die man sagt wir tun dich das aus Prinzip um dich zu ärgern drei viele Jahre nicht auf dem Vertrag Haus lassen.

00:23:58: das gibt es ja relativ

00:23:58: selten.

00:23:59: Das ist total selten, habe ich auch das erste Mal erleben.

00:24:03: Ja also dann lassen wir das mal als krassen Einzelfall.

00:24:08: Aber das habe ich halt gemacht in diesem Fall weil es nicht anders ging.

00:24:14: Was ich mir aber schon Also was wir ja auch in den Projekten, die wir zusammengearbeitet haben, schon immer wieder erlebt haben.

00:24:21: Und was ich mir vorstellen kann, was öfter vorkommt ist das du dann auch Leuten begegnest oder ich könnte mir jetzt auch vorstellen bei dem Vater zum Beispiel von der jungen Patientin zu einer Haltung von... Mir steht es aber zu irgendjemand anders, den ich kenne war auch ein dreifelär krankgeschrieben.

00:24:37: Wieso sind sie jetzt so streng?

00:24:38: Bei dem und dem war irgendeiner Arzt auch nicht so strengen.

00:24:41: Es gibt ja auch Hausärzte, die so Dock Holiday-mäßig Ewig krank schreibt, was hältst du davon und wie gehst du damit um?

00:24:48: Das ist tatsächlich manchmal so.

00:24:51: Das Krasseste, was ich gerade vor kurzem erlebt habe war ein Patient der tatsächlich letztes Jahr ein paar Wochen krank geschrieben war wegen einer Depression.

00:25:01: Und jetzt kam er bei mir an nach dem Motto Ja, jetzt ist die Depression ja nicht mehr so sondern das sind eher Panikattacken.

00:25:10: Bitte schreiben sie mich doch jetzt krank wegen der Panikattacken denn mein Hausarzt hat mir gesagt Wenn ich jetzt einen Tag, der Hausarzt hatte ihn nämlich schon ein bisschen krank geschrieben.

00:25:18: Wenn ich heute einen Tag zur Arbeit gehe und dann wegen einer neuen Diagnose krankgeschrieben werde, dann fahre ich nicht ins Krankengeld sondern kriege ich erst mal wieder Lohnfortzahlung.

00:25:29: Das hat er mir wirklich vorgeschlagen.

00:25:32: Na ja hab' ich aber gesagt bin sie was?

00:25:33: sowas mache ich nicht!

00:25:36: Wenn ihr Haushaltsgemeinung ist dass Sie krank geschrieben werden müssen kann er sie krank schreiben.

00:25:43: Aber ich werde nämlich nicht auf so einen komischen Deal einlassen.

00:25:46: und wenn sie nicht mehr in ihren Arbeitsplatz zurückwollen, was er eben sagte.

00:25:49: Er will da gar nicht mehr hin... Dann kündigen Sie bitte!

00:25:53: Dann künden Sie und suchen sich einen neuen Job.

00:25:56: Ja.

00:25:56: Und aber ich mach sowas nicht solche komischen Deals.

00:26:01: Das hatte der Hausarzt ihm vorgeschlagen.

00:26:04: Das ist ja

00:26:04: krass.

00:26:05: So unglaublich.

00:26:06: Weil er wahrscheinlich selbst nicht mehr verantworten wollte.

00:26:09: Was für eine Sauerei?

00:26:10: Ich meine unter Arbeitgeber soll schön weiterzahlen.

00:26:14: Ich finde jetzt mal ganz ehrlich, ich finde das sowieso unglaublich.

00:26:20: Wenn jemand eigentlich nicht krank ist oder einen ganz spezifischen Grund hat sollte man die Personen ja nicht krankschreiben oder plötzlich mit einer anderen Diagnose, die man sich irgendwie ausdenkt?

00:26:34: Ja absolut!

00:26:36: Das ist ja auch echt Betrug.

00:26:39: Und das finde ich auch, da dann einfach eine klare Haltung zu haben und zu sagen es geht nicht.

00:26:44: Finde ich jetzt klar, aber ich könnte mir vorstellen dass es auch so Zwischendinger gibt, dass zum Beispiel bei deiner jungen Patientin ist der Vater noch krank, dann kommt er womöglich auch und sagt, sie ist meiner Tochter nicht zuzumuten.

00:26:53: können Sie bitte noch weiter krank schreiben?

00:26:56: Also wo es schon sozusagen so einen Druck gibt, der jetzt nicht über sowas komplett betrügerisches

00:27:05: Läuft.

00:27:05: wie gehst du denn damit um?

00:27:07: Also wenn du nicht einfach ganz klar sagen kannst, sie haben wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank.

00:27:12: Also

00:27:13: etwas was ich häufig tatsächlich in solchen Fällen sage ist überlegen Sie sich mal wie viel ist denn ein Attest von mir noch wert?

00:27:21: Wenn das nicht komplett dem entspricht Wie die Realität ist Was sind dann generell meine Atteste noch Wert?

00:27:28: Ich muss dafür ja gerade stehen Nicht sie.

00:27:33: Ja, das betrifft den Typen der dir vorschlägt.

00:27:35: Kannst du mal eine neue Diagnose draufschreiben?

00:27:38: Ich meine jetzt eher so... Wenn du Fälle hast die schon selbst sehr davon überzeugt sind dass sie jetzt weiter krankgeschrieben werden müssen, die sagen aber mein Hausarzt sagt zum Beispiel muss es erst wieder richtig gut gehen oder dann kommt wie bei deiner zweiten Patientin der Vater noch mit und sagt Es ist nicht zugutbar Die dreht völlig durch.

00:27:57: Die hat einen Meld nach dem anderen wenn sie sich wieder bewerben soll Wenn sozusagen die Funktionalität sich da auch ein Stück weit reingefressen hat und du siehst, das entwickelt sich nicht gut.

00:28:10: Das wird jetzt zu viel.

00:28:11: Und gleichzeitig gibt es aber schon den Anspruch vielleicht ja irgendjemand anders aus eure Einrichtungen mit der die Patientin in der Gruppe ist, die war auch so lange krankgeschrieben oder wie gehst ihr damit um?

00:28:22: Also wenn das nicht so komplett indiskutable Ansehen sind...

00:28:25: Dann betone ich immer dass jeder Fall anders ist Und auch zwei Menschen sogar die gleiche Diagnose haben können und trotzdem ist eine Person länger krankgeschrieben als die andere.

00:28:39: Und das aus meiner Sicht, wenn noch nicht die volle Leistungsfähigkeit wieder da ist man zum Beispiel sowas wie eine Stufenweise Wiedereingliederung probieren kann was natürlich im Fall meiner jungen Patientin nicht ging weil sie ja gekündigt hatte.

00:28:53: Das ging natürlich nicht.

00:28:56: Aber man kann sonst ja auch andere Dinge versuchen, wie zum Beispiel dass man sich dahinter klemmt.

00:29:01: In ihrem Fall wäre es zb so gewesen.

00:29:04: Es hat hier auch angeboten das wir versuchen könnten.

00:29:07: sie war bei der über die Eingliederungshilfe hatte sie ja auch eine ambulante Betreuung.

00:29:12: Man kann über die Eingliedungshilfe ja auch sowas sogenannte Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen machen, wo man dann zum Beispiel anfängt.

00:29:19: Und jeden Tag mal drei Stunden in die... Was weiß ich?

00:29:23: In die Holzwerkstatt und am Baukornvogelhäuschen oder so klingt jetzt erstmal albern aber bringt Leute manchmal eben wieder dazu Struktur zu bekommen was Sinnvolles zu tun wieder unter Menschen zu gehen.

00:29:34: und das ist dann auch sowas was ich dann anbiete.

00:29:38: Man muss ja nicht sofort wieder mit einer vollen Stelle einsteigen Aber dass man überhaupt wieder in ein Prozess reinkommt, wo man täglich aus dem Haus gehen

00:29:48: muss.

00:29:49: Manchmal mache ich das auch so, dass ich Patienten wenn sie dann ein großes Verlangen zeigen, dass Sie weiter krankgeschrieben werden wollen oder jetzt einfach anfänglich und sehr lang, dass sich dann sagen wir machen erst mal eine Krankenschreibung von zwei Wochen und in der Zeit erwarte ich aber von Ihnen, dass die sich überlegen Wie es weitergehen kann.

00:30:09: Was Sie machen, damit sie wieder besser werden?

00:30:12: Dass die wieder mehr Struktur kriegen und dann kommen Sie bitte wieder Und dann besprechen wir das Ganze weit.

00:30:18: oder

00:30:18: auch ich meine dass wäre ja auch eine gute Maßnahme für so situative Probleme.

00:30:24: Das jemand kommt und sagt Ich gehe da nicht hin.

00:30:26: Ich muss nur noch weinen mein Schäfen ist so blöd Mein Job ist so schrecklich.

00:30:29: Ich kann das nicht mehr aushalten.

00:30:31: Ich brauche ne Krankschreibung.

00:30:33: Da scheint mir das ja sinnvoll zu sagen okay jetzt knallhart zu sagen, ich schreibe sie nicht krank.

00:30:38: Weil das ist situativ macht auch keinen Sinn.

00:30:40: oder manchmal ist es ja auch wirklich so dass man denkt ja gut irgendeine irgendwie genauso die Situation weitermachen kann man nicht.

00:30:46: aber dann zu sagen ich schreib sich jetzt befristet krank für eine kurze Zeit und in der zeit überlegen Sie sich bitte wie es weiter geht?

00:30:52: Ja

00:30:54: im Nachhinein muss ich auch sagen auch bei dieser Patientin wäre es besser gewesen hätte von vorne rein gesagt Das wird jetzt befristet auf einen monat und in dem Monat überlegen sie sich wie's weitergeht Also ob sie da zum Beispiel kündigen und dann gleich sich auch wieder beim Arbeitsamt melden, damit die ihnen was zuweisen oder so.

00:31:15: Das hätte ich... also muss ich im Nachhinein sagen dass wir besser gehen.

00:31:18: Ob Sie geht hinterher

00:31:19: erstmal immer schlauer?

00:31:20: Und da waren natürlich die Erkrankungen der Eltern, die nicht hilfreiche Ärgotherapeutinnen sind.

00:31:28: Genau da kam einiges zusammen wo es dann schiefläuft.

00:31:30: aber genau das wäre sozusagen für die eigentlich ein gutes Vorgehen gewesen.

00:31:34: Ich habe noch eine andere Frage und zwar, wie kommunizierst du das mit Kollegen?

00:31:42: Wie gut funktioniert es?

00:31:44: Ich erlebe und höre oft eher von schwierigen Sachen.

00:31:47: Und du hast jetzt auch den Haushaltserwänd der wirklich krass sagt gehen Sie mal zu Psychiaterin lassen sich mit einer anderen Nummer kann schreiben oder auf die ich meine anderes Level, aber letztendlich ja genauso die Ergotherapeutin.

00:31:58: Die dann plötzlich die Erwerbsminderungsrente oder was ins Feld führt bei einer Vierundzwanzigjährigen ist auch super krass!

00:32:04: Ich kenne auch Psychotherapeuten zum Beispiel, die gar nicht wissen ob ihre Patienten krankgeschrieben sind oder nicht und das irgendwie vielleicht sogar ganz praktisch finden, dass sie immer Dienstag um elf Zeit haben und gar nicht fragen warum?

00:32:14: Also wie ist es so für dich, wenn du die Rolle hast im Prinzip Krankschreibung zu steuern das durchaus vernünftig dosiert einsetzen will, wie läuft es mit Kollegen in der Regel?

00:32:27: Also ehrlich gesagt ist es manchmal sehr schwierig überhaupt in einen Dialog zu kommen.

00:32:33: Weil

00:32:34: einfach

00:32:34: aus was weiß ich Terminchen grümmten sowohl die Psychotherapeutinnen als auch ich oder so.

00:32:43: wir sind den ganzen Tag immer mit unserer Patienten unterwegs und es ist selten dass man irgendwie überhaupt scharf miteinander reden.

00:32:51: Und ich glaube manchmal denken Psychotherapeutinnen und Innen tatsächlich nicht so viel darüber

00:33:02: nach,

00:33:05: was das bedeutet.

00:33:08: Wenn man jemanden solange krank schreibt dass es eben auch sehr negative Auswirkungen auf die Versorgung haben kann.

00:33:16: Das ist mein Eindruck auch.

00:33:19: Also wenn man das selbst macht Das kann ich schreiben.

00:33:22: Dann ist man ja viel näher dran!

00:33:24: Also, ich frage dir dann auch jedes Mal wie geht es Ihnen?

00:33:27: Wie lange können Sie im Moment am Stück eine Tätigkeit ausführen ohne dass sie die unterbrechen müssen, Pausen brauchen... also das lasse ich mir auch schon da ganz konkret beschreiben und ich muss mich natürlich darauf verlassen, dass die Patienten und Patientinnen mir dann dann Wahrheit sagen, oder?

00:33:46: Aber als ich Frage ist zumindest Ich weiß nicht, ob sowas überhaupt im Psychotherapien Gegenstand ist.

00:33:58: Solche genauen Abfragen!

00:34:00: Ich glaube das es sehr unterschiedlich ist.

00:34:02: ich bin aber immer wieder überrascht wo es überall kein Thema ist muss ich sagen.

00:34:08: also weil ich selbst bin persönlich aus meiner eigenen Erfahrung und auch aus der Erfahrung mit Patienten sehr davon überzeugt dass arbeiten was ... sehr wertvolles ist.

00:34:18: Ja, es gibt mir Identität... Es gibt mir Tagesstruktur,... ... es gibt mehr Kontakt mit anderen Menschen,... ... das gibt mir Selbstwertkondition auch einfach.

00:34:25: Also ich pflege auch manchmal zu sagen, wenn ich mich jetzt vier Wochen aufs Ohr verlegen würde,... ... dann wäre ich danach auch ein anderer Mensch und würde auch chronifizieren.

00:34:33: Einfach weil dieses Geständige gefordert werden.

00:34:36: Das hält auch resilient usw.

00:34:38: Deswegen finde ich es extrem wichtig, dass sich Psychotherapeuten dafür interessierender Biopatienten krankgeschrieben sind.

00:34:45: Viele tun es bestimmt auch.

00:34:47: Aber bei der Gelegenheit würdest du meinen Appell unterstützen, den ich immer mal wieder los lasse?

00:34:54: Bitte liebe Kolleginnen überlegt auf was Krankschreibung für fatale Regressionsfördern der Effekt haben können.

00:35:00: und Es ist eben... Ich meine viele machen da ja auch nichts Gutes drin in dieser Zeit.

00:35:04: Ja die dann hat man so.. Ich glaube wenn manche Psychotherapeutinnen aus einem Konzept von jetzt Nehmen sich mal Zeit für sich aber was soll das heißen?

00:35:11: Und dann sitzt man daheim rum.

00:35:13: Was

00:35:13: soll das leisten?

00:35:14: Ja, ja.

00:35:15: So ist es.

00:35:15: Genau.

00:35:16: Dieses... was eben auch die Able-Therapeutin.

00:35:18: Ja, nehmt ihr mal jetzt zwei Jahre Auszeit durch eine Rente.

00:35:21: damit kannst du dich endlich mal ordentlich mit dir beschäftigen!

00:35:24: Was soll denn da

00:35:25: sein?!

00:35:26: Also den ganzen Tag Nabelschau betreiben, das würde da wieder jeder irgendwie psychisch krank werden.

00:35:32: Selbst Leute die voll gesund sind

00:35:34: wenn

00:35:34: sie nichts mehr zu tun haben.

00:35:35: und

00:35:35: wenn er dann ohnehin Probleme hast in einem sozialen Kontext zurechtzukommen ist es ja auch unglaublich wichtig dass du eine gewisse Gewöhnung daran erhältst.

00:35:43: Da fällt mir immer das Wort ein von Sigmund Freud der her sonst gut des ist schon altnodig aber der hat ja irgendwann wohl mal gesagt dass man vier Dinge braucht um erwachsen zu sein lieben können, arbeiten können, warten können und verzichten können.

00:36:00: Und das finde ich so gut!

00:36:02: Ich kenne nur Lieben und Arbeiten.

00:36:04: Das ist ja witzig.

00:36:05: Ja später zu erwarten und verzichten hat er erst als alter Mensch gesagt.

00:36:10: Es kam dann noch dazu.

00:36:12: Das fand ich total gut.

00:36:14: Supergut Das ist ja gut.

00:36:18: Ich kann leben und arbeiten, kenne ich auch gut und habe es schon oft angebracht und gute Aha-Erlebnisse davon gehabt.

00:36:25: aber Warten und Verzichten ist super.

00:36:29: Noch ein Thema würde mich noch interessieren wenn du... Wenn das jetzt nicht läuft wie bei der jungen Patientin wo es irgendwie auch durch die ganzen Umstände so eine blöde Kurve genommen hat und jemand kommt und möchte krankgeschrieben werden und möchte eigentlich aus Situation raus und doch am liebsten für immer oder für ganz lange, oder bis irgendwann dubios alles wieder gut ist.

00:36:51: Und du machst so einen Befristungsvorschlag nach dem Motto ich schreib sie zwar mein wegen maximal vier Wochen krank aber in der Zeit muss ein Plan gemacht werden und danach wird ihr dann umgesetzt und reicht auch mit der Krankenschreibung.

00:37:02: Wie sind da die Reaktionen drauf?

00:37:04: Also ich merke dann oft schon dass die Patienten oder Patientinnen dann ein bisschen enttäuscht sind.

00:37:12: Die erwarten irgendwie, man würde jetzt sagen ja das ist so wie es ihnen geht.

00:37:16: Sie brauchen mindestens ein halbes Jahr wo sie mal Ruhe haben in der Art.

00:37:22: also da merkt ich schon eine Enttäuschung.

00:37:23: aber wenn ich dann sage Ich muss schließlich dafür gerade stehen was ich da mache und dafür muss sich die regelmäßig sehen Und ich muss auch nach wie vor sehen dass sie wirklich nicht arbeiten können Das kann ja in vier Wochen schon ganz anders sein.

00:37:42: Ja, außerdem ist ja auch dieses... ich meine du verbindest damit einfach den Appell überlegt dir was?

00:37:48: Also wenn das nicht passiert dann wird in vier wochen einfach das Problem kein bisschen gelöst sein

00:37:53: und dass es sowieso durch die reine Krankenschreibung löst man das Problem nicht sondern tatsächlich wie bei der ersten positiven Falldarstellung das Problem gelöst war an dem Moment wo sie durch die Krankschreibung besser wurde woanders hinzuwechseln, wo sie jetzt sehr gut...

00:38:12: Genau.

00:38:12: Wo sie

00:38:13: auch nicht mehr in Erschöpfungszustände gerät

00:38:15: und für das ihr die eigene Energie aufgebraucht habt.

00:38:18: Wie vermittelst du das Menschen?

00:38:19: Weil ich merke dann schon manchmal so eine Enttäuschung was ich mir lebhaft vorstellen kann.

00:38:26: aber gleichzeitig könnte ich mir vorstellen dass es schon auch etwas ist was auf Verständnis trifft.

00:38:31: oder wenn du's dann einfach erklärst zu sagen ja wenn Sie sich jetzt nur ein halbes Jahr zurückziehen und nicht überlegen, wie es gelöst werden kann.

00:38:38: Dann ist ja normal mehr immer stehen Sie im Prinzip da, wo sie jetzt auch

00:38:40: stehen.".

00:38:41: Genau also das.

00:38:42: ich versuche dann zu vermitteln, dass es einfach für die Person unheimlich wichtig ist, dass sie wieder in der Lage sein wird was beizutragen.

00:38:54: Also ein Rädchen im Getriebe zu sein, dass das eben wichtig ist und dass deshalb aus meiner Sicht das nicht gut ist wenn man...wenn ich diese Personen zu lange krank schreibe.

00:39:05: Und ist das was womit du auch landen kannst, die Botschaft?

00:39:09: Doch.

00:39:09: Das verstehen viele!

00:39:11: Ich könnte mir vorstellen Regina dass du wenn du sagst du erlebst diese Enttäuschung oft aber dann hast du ja auch schon ein klares Rational zu sagen ich schreib sie jetzt zwei Wochen krank oder vier Wochen kranken.

00:39:23: aber dann erwarte ich auch dass sie sich nehmen um zu überlegen wie es weitergeht und wie sie ihr Problem lösen.

00:39:29: Kannst Du mit der Botschaft eigentlich auch lande?

00:39:32: Also wird es dann auch verstanden von deinen Patientinnen?

00:39:36: In den meisten Fällen wird es verstanden, wenn ich dann auch erkläre warum es aus meiner Sicht so wichtig ist dass sie irgendwann wieder arbeiten eben ein Riedchen im Getriebe sind was beitragen können.

00:39:49: Dass das für die eigene Psyche eben auch wichtig ist.

00:39:52: und in so einem Fall sage ich manchmal ja auch wie wichtig zum Beispiel für mich auch die Arbeit ist und wie dass ich arbeite auch etwas ist, was mein Lebenbereich hat.

00:40:04: Da gebe ich durchaus dann auch mal mich als Beispiel ohne da jetzt sonst wie in den Mai zu gehen aber dass sich da mich mit einschließt und damit können Patienten meistens recht gut was ansprechen?

00:40:16: Ich bin ja sowieso ein sehr großer Fan davon als Psychotherapeutin oder garatiert genauso als Psychiaterin menschlich spürbar zu sein auch die eigene Person einzubringen.

00:40:27: Ich finde, dass das sehr viel Beziehungsstärken da ist als wahnsinnig abstinent zu sein.

00:40:31: insofern kann ich mir vorstellen, dass so ein Vorbild wenn dann die Frau Doktor sagt wissen Sie für mich ist es auch gut und wichtig?

00:40:39: Und ich glaube bei Ihnen ist genauso.

00:40:40: das gibt ja auch... Das kann die Beziehung ja auch sehr stärken und finde ich etwas sehr überzeugend.

00:40:45: Dann kann man nicht mehr gut widersprechen.

00:40:48: Interessant!

00:40:48: Ja, das ist schön.

00:40:53: Wenn ich mich frage in Zukunft oder wenn ich gefragt werde von Kolleginnen, wann macht denn eine Krankschreibung Sinn?

00:40:59: Wann nicht.

00:40:59: Nämlich für mich mit ganz klar dieses somatische, wenn jemand vor dir sitzt kaum noch gerade gehen kann.

00:41:04: Nicht mehr gut reagiert, nicht mehr schläft, Schmagenschmerzen also erkennbar körperlich.

00:41:10: am Ende ist klare Indikationen für Krankschreiben Und klare Indikation für einen sehr vorsichtigen und begrenzten Umgang damit.

00:41:18: dann, wenn erkennen war es ist jetzt situativen Stressor definitiv an.

00:41:22: Da fühlt sich vielleicht die Person auch gestresst von.

00:41:24: aber sobald der Stressor weg ist geht's mir wieder gut.

00:41:28: Dann ist keine Indikations für eine Krankschreibung gegeben möglicherweise aus irgendwelchen Spezial-Sozialfällen dass man arbeitsrechtlich was klären muss oder sowas.

00:41:35: Aber eigentlich gehts darum zu sagen das müssen sie lösen und wenn man da ne Klarheit hat kann man auch die Enttäuschung mancher Patienten jetzt erwarten.

00:41:44: Ich darf ein halbes Jahr irgendwie mich erst mal rausnehmen, ganz gut in den Griff kriegen.

00:41:51: Ja klasse!

00:41:52: Und ich würde auch mitnehmen... ja wir dürfen Patienten auf was zutrauen und ich glaube gerade Psychotherapeutinnen eigen dazu Patienten Argenwatte zu packen und so dieses konzentrieren sich mal ganze auf sich und nur auf ihre Bedürfnisse.

00:42:07: Nee, also arbeiten ist auch gut.

00:42:09: Es erhält auch die Funktionsfähigkeit und nicht Arbeiten, fördert Regressionen und es von daher einfach auch Krankheitsfördernd.

00:42:18: Dann danke ich dir sehr für dieses Gespräch, Regine!

00:42:21: Ja, ich fand's aus sehr schön.

00:42:22: Vielen Dank!

00:42:24: Ja ja super und wie immer wenn ihr noch mehr zum Thema lesen wollt dann guckt nach Regines Beitrag auf dem Blog psychotherapie.tools.

00:42:35: Fragen und Anregungen nach wie vor, bitte gerne jederzeit an die E-Mailadresse psychotop.de.

00:42:41: Danke schön, dass ihr dabei gewesen seid

00:42:43: und bis zum nächsten

00:42:55: Mal!

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